Über das Projekt

Wie ist der Begriff „Ausnahmezustand“ zu verstehen, der derzeit – vielfach missbräuchlich – verwendet wird, um die Situation in Südeuropa zu beschreiben? Die fünftägige Veranstaltung betrachtet die Schuldenkrise in Griechenland und ihre Konnotationen als eine Fallstudie und präsentiert Praktiken der zeitgenössischen Kunst und des politischen Aktivismus. Sie strebt an, die anhaltende Krise – in Griechenland und darüber hinaus zu kontextualisieren und zu entlarven.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist die Diskussion der sogenannten Besonderheiten der griechischen Gesellschaft. Enjoy (y)our State of Emergency nimmt die Voraussetzungen, Absurditäten und Pathologien in den Blick, die zu Neokonservatismen und Demokratieverlusten sowie zu verschiedenen Formen von Nationalismen und Populismen, zu Rechtsradikalismus (und seinen Spielarten), zu Faschismus, Rassismus usw. führen. Die Veranstaltung untersucht gegenwärtige Rhetoriken und neoliberale Logiken in Bezug auf ihren Beitrag zur Festigung vorgegebener ökonomischer Programme, die das politische Terrain immer stärker zu dominieren scheinen. Künstlerische Praktiken, die im Rahmen der Veranstaltung präsentiert werden, setzen sich mit politischem Aktivismus, Querfrontbewegungen und Gender -Rollenverständnissen, mit der Schuldenkrise und mit Migrationspolitik auseinander. Die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation – in Griechenland und anderswo – wird medial oft als besonderes kulturelles Phänomen, als experimentelles Laboratorium oder aber als Schauplatz für heldenhaften Widerstand und kulturelle Dissidenz dargestellt. Die Veranstaltung Enjoy (y)our State of Emergency hingegen strebt an, diese Situation in einem breiteren Kontext zu diskutieren: der Dominanz neoliberaler Regime in Zeiten einer globalen Finanzkrise.

In diesem Bezugsrahmen werden kulturelle Praktiken vorgestellt, die auf kollektives Handeln und ziviles Engagement setzen. Wie ist zu (re-)agieren angesichts der aktuellen Transformationen, die sich aus der wachsenden Ungleichheit und der Entdemokratisierung der griechischen Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen ergeben? Wenn wir neue Formen gesellschaftlicher Organisation und kulturelle Praktiken politischer und sozialer Intervention entwerfen: Wo und wie kommen solche Praktiken zum Einsatz?